10 Jahre CLAAS GUSS Konstrukteurstage

6. INTERNATIONALE CLAAS GUSS KONSTRUKTEURSTAGE   

2. - 6. Juni 2008 im Nortorfer Gusswerk der CLAAS GUSS GmbH

- 10 Jahre CLAAS GUSS Konstrukteurstage
- Simulationswerkzeuge in der Produktentwicklung
- Nur Information hilft, Missverständnisse zu vermeiden
- Einkäufertag
- Grau ist alle Theorie …


10 Jahre CLAAS GUSS Konstrukteurstage
Mit großer positiver Resonanz gingen Anfang Juni die 6. Internationalen CLAAS GUSS Konstrukteurstage zu Ende. Das Angebot der alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltungsreihe, die in diesem Jahr ihr 10jähriges Jubiläum feierte, wurde inzwischen von über 1100 Kunden genutzt. Auch in diesem Jahr fanden wieder fast 200 Besucher den Weg in das Nortorfer Gusswerk, den diesjährigen Veranstaltungsort.


Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Kunden und „seiner“ Gießerei ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Abwicklung von Projekten. Nur bei einer frühzeitigen Zusammenarbeit und einem hohen Maß an gegenseitigem Verständnis für die Arbeit des jeweils anderen können gemeinsam optimale Lösungen entwickelt werden.

  Internationale CLAAS GUSS Konstrukteurstage   2008
Das bezieht sich sowohl auf die gemeinsame Bauteilentwicklung als auch auf andere im Vorfeld zu leistende Abstimmungsarbeit, wie beispielsweise die präzise Definition der Bauteilspe-zifikationen im Rahmen der Bauteilbestellung. Dieser offene, partnerschaftlich geprägte Umgang zwischen den Kunden und dem Lieferanten möchte gepflegt werden - das ist die Überzeugung der Bielefelder CLAAS GUSS GmbH. Daher ist es dem Unternehmen wichtig, seinen Kunden immer wieder Einblick in den Fertigungsprozess des Gießens und in aktuelle Entwicklungen in diesem Umfeld zu geben.

Die CLAAS GUSS Konstrukteurstage bieten hierfür das ideale Forum. Interessierten Kunden wurde im Rahmen eintägiger Seminarveranstaltungen die Möglichkeit gegeben, sich vor Ort in der Gießerei über aktuelle Trends und Neuerungen zum Thema Gusseisenbauteile zu informieren.

In den vergangenen Jahren hat sich die Veranstaltung in erster Linie an Konstrukteure gewandt. Dieser Fokus wurde auch in diesem Jahr nicht aus den Augen verloren, jedoch durch das Angebot eines eigenen „Einkäuferta-ges“ ergänzt. Diese Neuerung trug der Tatsache Rechnung, dass Gusspro-dukte keine Ware von der Stange sind, sondern „maßgeschneiderte“ Lösungen technischer Probleme darstellen. Bei der Entwicklung anspruchsvoller Bauteile spielen Gießereien daher als strategische Partner eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Einen entsprechenden Stellenwert hat daher die Beziehung zum strategisch ausgerichteten Einkauf.

Angesichts der Tatsache, dass die CLAAS GUSS Gruppe ca. 30% ihres Umsatzes im direkten Export tätigt, wurde dem internationalen Publikum am Freitag den 6.7.08 ein eigener englischsprachiger Tag angeboten, der entsprechendes Echo fand. Gäste aus 8 Nationen nutzten dieses Angebot.
Simulationswerkzeuge in der Produktentwicklung
Ein Themenschwerpunkt der Vorträge zur diesjährigen Veranstaltung für Konstrukteure war der Einsatz von Simulationsprogrammen in der modernen Produktentwicklung. Festigkeitsberechnung, Lebensdauervorhersagen, Topologieoptimierung und die Simulation von Fertigungsprozessen bieten heute bisher nie dagewesene Möglichkeiten und sind aus den Entwicklungs-abteilungen kaum noch wegzudenken.
Im Rahmen von Vorträgen wurde gezeigt, welche Methoden derzeit bei der Entwicklung von Gussbauteilen eingesetzt werden und welche Chancen sich hiermit für die Bauteilgestaltung bieten. Hier ist vor allem das Feld der Topologieoptimierung zu nennen. Die Übertragung der Konstruktionsregeln der Natur auf die Gestaltung technischer Bauteile lässt sich vor allem für Leichtbauansätze hervorragend nutzen.
Dr. Meyer-Prüßner aus dem Haus VW bewies dies sehr anschaulich anhand einer Vielzahl von Bauteilbeispielen aus der inzwischen zehnjährigen Erfah-rung, die er in diesem Arbeitsgebiet bei VW gesammelt hatte. Dabei betonte er die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit mit den fertigenden Unternehmen bei der Umsetzung der Designvorschläge aus der Topologieoptimierung. Hier zeigten sich sehr ähnliche Ansatzpunkte, wie sie auch von CLAAS GUSS vertreten wurden.
CLAAS GUSS zeigte anhand von eigenen Beispielen, warum es sinnvoll ist, als Gießerei Topologieoptimierung als Dienstleistung anzubieten. Die Ergebnisse der Topologieoptimierung sind nämlich nur sehr grobe Designentwürfe, die erst noch in einen fertigungsgerechten CAD-Entwurf überführt werden müssen. Gerade bei diesem Schritt ist eine Gießerei mit ihrem Expertenwissen zum Fertigungsprozess, dass genau bei diesem Schritt in die Produktentwicklung einfließen muss, der ideale Partner.

Entwicklung eines Motorsockels unter Einbeziehung der Topologie-optimierung: (a) Ergebnis der Topologieoptimierung, (b) FEM-Validierung des aus der Topologieoptimierung abgeleiteten Bauteil-entwurfs, (c) reales Bauteil

Beim Umgang mit Simulationssoftware darf jedoch nie außer Acht gelassen werden, dass man sich hier auf Beschreibungen der Realität durch vereinfa-chende Modelle verlässt. Am Beispiel der Gießsimulation zeigte CLAAS GUSS exemplarisch, welche Teilprozesse durch die Simulation alle abgebildet werden müssen und wie komplex sowohl die physikalischen Vorgänge als auch die Bereitstellung der entsprechenden Basis an Eingangsdaten ist. Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Simulation des Fertigungsprozesses Gießen wurden hier beleuchtet. Quasi „ganz nebenbei“ bot sich hierdurch die Gelegenheit eine Vielzahl von Zusammenhängen rund um den Gießprozess zu erläutern.


Beim Umgang mit Simulationssoftware darf jedoch nie außer Acht gelassen werden, dass man sich hier auf Beschreibungen der Realität durch vereinfa-chende Modelle verlässt. Am Beispiel der Gießsimulation zeigte CLAAS GUSS exemplarisch, welche Teilprozesse durch die Simulation alle abgebildet werden müssen und wie komplex sowohl die physikalischen Vorgänge als auch die Bereitstellung der entsprechenden Basis an Eingangsdaten ist. Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Simulation des Fertigungsprozesses Gießen wurden hier beleuchtet. Quasi „ganz nebenbei“ bot sich hierdurch die Gelegenheit eine Vielzahl von Zusammenhängen rund um den Gießprozess zu erläutern.

Vertieft wurden diese Themen durch zwei Gastvorträge zum Thema ferti-gungsbedingte Eigenspannungen. Prof. Ernst Warnke (Siempelkamp-Gießerei) und Herr Peter Oberschelp (Institut für Gießereitechnik, Düsseldorf) gingen in ihren Vorträgen auf die Entstehung, Messung und Berechnung von Eigenspannungen ein. Eigenspannungen sind für Konstrukteure vor allem im Hinblick auf Überlagerung mit den Bauteilspannungen in Folge der im Betrieb auftretenden Lasten wichtig. In beiden Vorträgen wurde deutlich, dass für die präzise quantitative Simulation von Eigenspannungen derzeit noch For-schungsaktivitäten erforderlich sind, dass entsprechende Projekte jedoch derzeit bearbeitet werden.

Herr André Heinrietz vom LBF in Darmstadt stellte den aktuellen Stand der Betriebsfestigkeitsberechnung für Gusseisenbauteile vor und ging hierbei auch auf aktuelle Forschungsvorhaben ein, die darauf abzielen, die Vorhersa-gegenauigkeit deutlich zu erhöhen. Hierbei wurde deutlich, dass die Betriebs-festigkeitsrechnung derzeit zwar schon ein hilfreiches Werkzeug in der Produktentwicklung ist, aber dennoch viele Bereiche weitere Forschungsakti-vitäten erfordern. Insbesondere die Berücksichtigung der lokalen Mikrostruktur hat sich als wichtig erwiesen, wobei es hierfür derzeit noch keine standardi-sierten Vorgehensweisen gibt.

Nur Information hilft, Missverständnisse zu vermeiden
Sowohl die maßliche Bemusterung nach CAD-Daten als auch die Möglichkeiten und Grenzen der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung von Gusseisenbauteilen hatten in der Vergangenheit gelegentlich zu Missverständnissen geführt. Im Rahmen der Konstrukteurstage 2008 nutzte CLAAS GUSS die Gelegenheit, hier Aufklärungsarbeit zu leisten.
„Klarheit von Anfang an“ sollte das Motto der präzisen Gussteilbestellung sein. Die Mitarbeiter des Unternehmens zeigten hierzu an Beispielen exemplarisch, was im Vorfeld an Prüfmerkmalen und Gussteileigenschaften definiert sein sollte, um Missverständnisse zu vermeiden.

Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung: Magnetpulver-Rissprüfung

Bauteilvermessung nach CAD-Daten (a) Messaufbau, (b/c) Ergebnisdarstellungen

Einkäufertag
Im Zuge der Konzentration auf Kernkompetenzen, die zahlreiche Unternehmen heute verfolgen, gewinnt die Kompetenz von Lieferanten eine immer größere Bedeutung. Um diesem Trend Rechnung zu tragen, haben sich erfolgreiche Gießereien längst über das fachgerechte Abgießen von Kundenentwürfen hinaus weiterentwickelt und ihr Angebot deutlich erweitert. CLAAS GUSS zeigte im Rahmen des Einkäufertages seine Produktentwicklungskompetenz anhand einer Vielzahl von Beispielen für gemeinsame Bauteilentwicklung mit seinen Kunden.
Darüber hinaus wurde die Bedeutung strategischer Kunden-Lieferante-Beziehungen beleuchtet. Herr Martin Ziebell (Sauer Danfoss) stellte beispielhaft die Sicht eines Kunden auf diese Beziehungen dar. Das Unternehmen Sauer Danfoss produziert mit fast 10 000 Mitarbeitern an weltweit 22 Standorten Komponenten und Systeme für mobile Arbeitsmaschinen. Vor dem Hintergrund einer enormen Wachstumsentwicklung im Bereich Mobilhydraulik ist, so stellte Herr Ziebell heraus, eine der größten Herausforderungen im Einkauf die Sicherstellung der ständig steigenden Bedarfsmenge.
Das Kunden-Lieferanten-Verhältnis sei für das Unternehmen Sauer Danfoss eine wichtige Basis für die Weiterentwicklung. Die Auswahl und Entwicklung strategischer Lieferanten werde mit entsprechender Sorgfalt betrieben und basiere auf einem partnerschaftlichen Umgang miteinander. Periodische Bewertungen der Performance spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Einführung eines Bonus-Malus-Systems. Daher habe man auch bei Lieferanten für entscheidende Bauteile keine Sorge vor Single Sourcing. Die Innovati-onskraft von Zulieferern sei ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl. Lieferanten werden bei Sauer Danfoss als Projektmitglieder behandelt. Dies geht mit der Erwartung einher, dass der Lieferant eigene innovative Ideen einbringt und so zur Verbesserung des Produktes beiträgt. In diesem Zusam-menhang betonte Herr Ziebell auch die langjährige gute Zusammenarbeit zwischen Sauer Danfoss und CLAAS GUSS.
Neben dem Angebot spielen für Einkaufsentscheidungen selbstverständlich auch die Kosten eine entscheidende Rolle. Die erschreckend rasante Entwicklung auf den Rohstoff- und Energiemärkten, die in der letzten Zeit zu beobachten war, wurden von Prof. Rüdiger Deike (Universität Duisburg-Essen) in den weltwirtschaftlichen Zusammenhang gestellt. Prof. Deike zeigte auf, dass bedingt durch das enorme Wachstum, vor allem in China, die weltweite Stahlproduktion derzeit eine revolutionäre Entwicklung durchmacht. Hinsichtlich der Marktentwicklung für die Rohstoffe unterschied er zwischen der Marktentwicklung im Erz- und Koksbereich und der Entwicklung am Schrottmarkt.
Sowohl der weltweite Handel mit Hochofenkoks als auch der mit Erzen liegt heute in den Händen einiger weniger Lieferanten. So werden ca. 75% des Weltkokshandels über China und Polen abgewickelt, während die Erzproduktion durch drei Unternehmen in Brasilien und Australien dominiert wird. Für diese Rohstoffe haben sich - teilweise fast unbemerkt- Oligopole gebildet, die in hohem Maße für die Preisgestaltung verantwortlich sind.
Die Preisentwicklung im Stahlschrottbereich ist stärker durch die schnelle Verschiebung von Märkten geprägt. Hier spielt vor allem in den letzten Wochen das Einkaufsverhalten der Türkei eine wichtige Rolle, die sich in letzter Zeit vermehrt von westeuropäischen Märkten versorgt. Prof. Deike hob hervor, dass die Gussproduktion lediglich 1/10 der Stahlproduktion ausmache, aber beide Industriezweige auf die gleichen Rohstoffmärkte zugriffen. Daher haben die Gießereien mit ihrer Marktposition keine Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklung der Marktpreise.
Da gegenwärtig große Stahlwerkskapazitäten in Russland, dem derzeit größten Exporteur von Stahlschrott in Europa, aufgebaut werden, geht Prof. Deike davon aus, dass die russische Exportquote an Stahlschrott sich mittelfristig rückläufig entwickeln wird, so dass wohl mit einem weiterhin hohen Niveau der Stahlschrottpreise zu rechnen ist.

Grau ist alle Theorie …
… daher war das Ziel der Konstrukteurstage auch in diesem Jahr, einen starken Praxisbezug zu vermitteln. Dies geschah zum einen im Rahmen der Workshops, die teilweise praktische Vorführungen beinhalteten, zum anderen wurde den Gästen die Gelegenheit gegeben, sich die Fertigung von Gussei-senbauteilen im Rahmen einer Betriebsbesichtigung anzuschauen. Schon ein kurzer Rundgang durch eine Gießerei vermittelt ein grundlegendes Verständnis der Prozesse und lässt deutlich werden, welche Möglichkeiten das gießende Fertigungsverfahren im Hinblick auf die Gestaltungsmöglichkeiten von Bauteilen bietet.


Möglichkeiten der komplexen Formgebung durch Gießen

Wie auch in den vergangenen Jahren war diese Besichtigung für viele Besucher, die zum ersten Mal eine Gießerei sahen, ein wirkliches Highlight.

Nortorf, den 06.06.08
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